{"id":1074,"date":"2022-12-05T18:12:50","date_gmt":"2022-12-05T18:12:50","guid":{"rendered":"https:\/\/judithforgoston.com\/?p=1074"},"modified":"2024-03-08T09:39:16","modified_gmt":"2024-03-08T09:39:16","slug":"and-the-winner-is","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judithforgoston.com\/de\/2022\/12\/05\/and-the-winner-is\/","title":{"rendered":"Und der Sieger hei\u00dft\u2026"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Jahr brachte uns der Dezember nicht nur die Adventszeit, sondern auch die\nFu\u00dfballweltmeisterschaft. F\u00fcr unsere Familie bedeutet das, dass unsere normalerweise\nrecht strengen TV-Beschr\u00e4nkungen in den Wind geworfen werden und wir alle vor dem\nBildschirm kleben, anfeuern und diskutieren und uns im Allgemeinen so verhalten, als\nw\u00e4ren wir alle Fu\u00dfballprofis. Und nein, ich sa\u00df nicht da und suchte nach Inspiration f\u00fcr\neinen Blogbeitrag.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es gibt mindestens vier Arten von (Fu\u00dfball-)Fans. Da sind einmal diejenigen, die f\u00fcr\n\"ihre\" Mannschaft fiebern, d. h. f\u00fcr das Land, in dem sie aufgewachsen sind. Dann gibt\nes diejenigen, die \"die bessere Mannschaft\" anfeuern\u2014das sind die Fans, die glauben,\ndass sie Experten genug sind, um zwischen Talenten zu unterscheiden, die ihnen\nselbst um Lichtjahre \u00fcberlegen sind. Die dritte Gruppe sind diejenigen, die die\nAu\u00dfenseiter anfeuern - einfach, um sie zu unterst\u00fctzen und weil ja immer auch Wunder\ngeschehen k\u00f6nnten. Und viertens diejenigen, die das Siegerteam anfeuern, weil es\nsich, seien wir ehrlich, immer gut anf\u00fchlt, zum Siegerteam zu geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle diese Fans haben eines gemeinsam: Sie wollen, dass ihre Mannschaft gewinnt. Die\nGr\u00fcnde daf\u00fcr m\u00f6gen sich leicht unterscheiden, aber es steht au\u00dfer Frage, dass ein\nSieg besser ist als eine Niederlage. Richtig?<\/p>\n\n\n\n<p>Hier kommt Jesus und die Bergpredigt ins Spiel. Die Predigt, in der alles auf den Kopf\ngestellt wird. Die Armen sind gesegnet. Auch die Trauernden. Die Sanftm\u00fctigen, die\nHungrigen, die Verfolgten - sie alle sind gesegnet. Wir lesen das und stimmen zu, weil\nwir Mitleid mit denen versp\u00fcren, die das Pech haben, in dieser Lage zu sein. Wir sind\nfroh, dass Jesus sich um sie k\u00fcmmert und ihnen Hoffnung gibt. Und wir feuern sie an,\ndamit auch sie eines Tages zu Gewinnern werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und haben damit den Punkt v\u00f6llig verfehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Christen\u2014allen voran die amerikanischen\u2014haben eine problematische Liebe zu\n\u201eerfolgreichen\u201c Versionen von Glauben, und eine Neigung, unser christliches Leben als\nsiegreich und uns selbst als gl\u00fccklich und von gr\u00f6\u00dferen Problemen verschont\ndarzustellen. Geheiligt und herausgeputzt, so dass wir nun mit einem wohlwollenden\nL\u00e4cheln den armen Seelen um uns herum, die noch in S\u00fcnde und Dunkelheit\nversunken sind, helfen k\u00f6nnen. Um bei der Fu\u00dfball-Analogie zu bleiben: Wir versuchen,\ngenau wie alle anderen zu punkten, damit sich m\u00f6glichst viele dem Team Jesus\nanschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"translation-block\">Nat\u00fcrlich riechen die meisten Menschen den Schwindel, lange bevor wir die Chance\nhaben, sie mit unserer \u00dcberzeugungskraft zu beeindrucken. Aber selbst wenn wir uns\nso weit zusammenrei\u00dfen k\u00f6nnten, dass wir wirklich erfolgreich, siegreich und gl\u00fccklich\nerscheinen, stellt sich die Frage, ob es \u00fcberhaupt das Ziel eines Nachfolgers Jesu ist,\nzu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was w\u00e4re, wenn Jesus in Wirklichkeit sagt, dass die Schwachen und Armen und\nTrauernden - die \"Verlierer\" - seine Nachfolge besser repr\u00e4sentieren als die siegreichen\nChristen? Nat\u00fcrlich gibt es Stellen, an denen Jesus davon spricht, was seine\nNachfolger durch ihren Gehorsam gewinnen werden. Doch geht es dabei nicht um\neinen \u00e4u\u00dferlich messbaren und noch weniger um einen kontrollierbaren Gewinn. Bei all\nseinen Begegnungen mit Menschen scheint es, als ob das Gewinnen - zumindest in\ndem Sinne, wie wir es normalerweise verstehen - nie zu seinem Wortschatz geh\u00f6rte. Er\nsprach vom Aushalten. Leiden. Lieben. Helfen. Vertrauen. Alles Eigenschaften, die er\nselber vorlebte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eric Warner schrieb Anfang dieses Herbstes einen Blog-Beitrag mit dem Titel \"What if\nWeakness is the goal?\" (Was, wenn Schw\u00e4che das Ziel ist?), und ich m\u00f6chte einen\nAuszug davon mit euch teilen. Er schreibt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;\"Wir sind uns durch die Logik unserer irdischen Welt gew\u00f6hnt, Macht als rohe Gewalt\nzu verstehen. Die Sportmannschaft mit den gr\u00f6\u00dferen, st\u00e4rkeren Spielern ist \u201em\u00e4chtig\u201c.\nDie Armee mit der gr\u00f6\u00dferen Zahl und den besseren Waffen ist m\u00e4chtig. Wir f\u00fchlen uns\nin jedem Bereich des Lebens von Macht angezogen. Wir m\u00f6gen starke Autos. Wir\nwollen f\u00fcr die Siegermannschaft spielen. Wir wollen f\u00fcr das Unternehmen arbeiten, das\nerfolgreich ist. Wir wollen das Schn\u00e4ppchen, wenn wir Dinge kaufen\u2014in Wirklichkeit\nebenfalls ein Wunsch, unsere Macht auszu\u00fcben. Wir man\u00f6vrieren oder k\u00e4mpfen sogar\num Macht in unseren Beziehungen. Wir haben uns die Vorstellung zu eigen gemacht,\ndass Macht, Kontrolle und Autonomie der Gipfel der Existenz sind. Wir versuchen,\nSituationen zu vermeiden, in denen wir keine Kontrolle haben. Wenn wir in einem Team\nsein m\u00fcssen, wollen wir im Siegerteam sein. Wir wollen einem Leiter folgen, der\nm\u00e4chtig ist und die Kontrolle hat. Meiner Beobachtung nach gibt es in dieser Hinsicht\nkaum einen Unterschied zwischen Christen und Nicht-Christen.\"<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"translation-block\">Was mich \u00fcberf\u00fchrte, war das mit den Schn\u00e4ppchen (diesen Artikel schreibe ich kurz\nnach dem Black Friday Shopping\u2026). Ich teile Erics Ansicht, dass wir in fast jedem\nBereich des Lebens, in dem wir gewinnen wollen, in Wirklichkeit nur unseren Willen und\nunsere Kontrolle auszu\u00fcben versuchen. Und die Ausrede, dass wir ja Geld gespart oder\nKomfort oder Sicherheit gewonnen haben, liegt nahe, ist aber oft eben nichts anderes\nals eine Ausrede. Eric f\u00e4hrt fort:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"translation-block\">\"Aber was w\u00e4re, wenn Jesus gelehrt und offenbart h\u00e4tte, dass das Reich Gottes\n\u00fcberhaupt nicht auf dem Prinzip von Macht und Kontrolle beruht? Was w\u00e4re, wenn sich\nwahre Macht durch Schwachheit zeigte? Was, wenn Schwachheit sogar das Ziel ist?\nDas klingt fast schon absurd. Wir k\u00f6nnen ja noch verstehen, Schw\u00e4che erfahren zu\nm\u00fcssen, um die eine oder andere Lektion zu lernen\u2014aber am Ende werden wir sicher\ndaraus wieder erl\u00f6st und auf den Ehrenplatz gesetzt. Schw\u00e4che ist doch nur ein\nvor\u00fcbergehender Zustand, oder? Wir sind so darauf konditioniert, Schw\u00e4che als etwas\nSchlechtes anzusehen, etwas, wodurch man keine Ziele erreicht. Mehr und mehr\nerkenne ich in den Evangelien jedoch Jesu Offenbarung, dass das Reich Gottes anders\nals die Reiche der Welt funktioniert. Wir m\u00fcssen da hinein wiedergeboren\u2014aus dem\nGeist geboren\u2014werden. Das Reich Gottes ist weit radikaler als einfach ein\n\u201eherausgeputztes\u201c Reich der Welt\".<\/p>\n\n\n\n<p class=\"translation-block\">Er f\u00e4hrt fort, dieses auf den Kopf gestellte Reich zu erl\u00e4utern, in dem Kraft in\nSchwachheit vollendet wird (2 Kor 12,9) und in dem die Schwachheit Gottes st\u00e4rker ist\nals die St\u00e4rke der Welt (1 Kor 1,25).<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Worte hatten eine seltsam tr\u00f6stliche Wirkung auf mich. Wenn Gewinnen nicht das\nZiel ist, dann vielleicht auch nicht Perfektionismus oder Optimierung. Auch nicht meine\nanstrengenden Bem\u00fchungen, keine Fehler zu machen, keine Gelegenheiten zu\nverpassen, nicht \u00fcbersehen zu werden, nicht missverstanden zu werden oder ... hier\nkannst du einf\u00fcgen, was du in deinem Leben versuchst, um zu gewinnen und die Nase\nvorn zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"translation-block\">Ich wei\u00df, dass wir uns nicht v\u00f6llig aus dem Spiel dieser Welt herausnehmen k\u00f6nnen, in\nwelchem es ums Gewinnen geht (und wir d\u00fcrfen auch die Weltmeisterschaft\ngenie\u00dfen\ud83d\ude09). Aber wir k\u00f6nnen ebenfalls dar\u00fcber nachdenken, unsere Schw\u00e4chen als\nSt\u00e4rken zu sehen. Wir k\u00f6nnen beten, dass wir den oft schon unbewussten Wunsch\nverlieren, in jedem Bereich des Lebens gewinnen zu m\u00fcssen. Stattdessen d\u00fcrfen wir\nbitten, Liebe f\u00fcr die \"Verlierer\" dieser Welt zu entwickeln und die Gnade, zu erkennen,\ndass vielleicht gerade diese Menschen Jesus auf wunderbare Weise folgen. Vielleicht\nkann man sagen, wir d\u00fcrfen um die Sicht bitten, die Welt so zu sehen, wie sie durch\nGottes Reich bereits ist.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Jahr brachte uns der Dezember nicht nur die Adventszeit, sondern auch die\nFu\u00dfballweltmeisterschaft. F\u00fcr unsere Familie bedeutet das, dass unsere normalerweise\nrecht strengen TV-Beschr\u00e4nkungen in den Wind geworfen werden und wir alle vor dem\nBildschirm kleben, anfeuern und diskutieren und uns im Allgemeinen so verhalten, als\nw\u00e4ren wir alle Fu\u00dfballprofis. 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