{"id":2243,"date":"2026-01-27T17:02:19","date_gmt":"2026-01-27T17:02:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.judithforgoston.com\/?p=2243"},"modified":"2026-01-27T17:17:38","modified_gmt":"2026-01-27T17:17:38","slug":"out-of-the-silent-planet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.judithforgoston.com\/de\/2026\/01\/27\/out-of-the-silent-planet\/","title":{"rendered":"Jenseits des Schweigenden Sterns"},"content":{"rendered":"<p>Was ist 70 Jahre alt und klingt, als w\u00e4re es gestern geschrieben worden? Was ist ein Science-Fiction-Roman, der zwei Power Players unserer Zeit beschreibt, als h\u00e4tte der Autor sie pers\u00f6nlich gekannt - ein gleichzeitig be\u00e4ngstigendes, faszinierendes und hoffnungsvolles Werk? Die Antwort lautet: <em>Jenseits des Schweigenden Sterns <\/em>von C.S. Lewis.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Weltraumgeschichten normalerweise nicht auf meinem B\u00fccherstapel oder meiner Filmliste landen, geh\u00f6ren die drei B\u00fccher aus Lewis' Weltraumtrilogie zu meinen Favoriten \u2013 voll poetischer Sprache, erstklassigem Inhalt und hochrelevanter Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <em>Schweigenden Stern<\/em>, dem ersten Teil der Trilogie, der im England der 1950er Jahre spielt, kommen drei Hauptfiguren vor. Weston, ein brillanter, narzisstischer Wissenschaftler; Devine, ein kurzsichtiger und skrupelloser Gesch\u00e4ftsmann; und Ransom, ein ahnungsloser Philologe, der von den beiden anderen entf\u00fchrt und als L\u00f6segeld benutzt wird. Weston sucht nach einem Weg, die Geschichte der Menschheit zu verewigen, und ist \u00fcberzeugt, dass das sagenumwobene Malacandra - der Mond - nur der erste Schritt der Menschheit zur Erreichung dieses Ziels ist. Er gewinnt Devine und dessen Reichtum und Einfluss f\u00fcr sich, indem er ihm von den unsch\u00e4tzbaren nat\u00fcrlichen Ressourcen erz\u00e4hlt, die auf Malacandra zu finden sind. Sie entf\u00fchren Ransom f\u00fcr den Fall, dass die vermeintlich wilde Bev\u00f6lkerung von Malacandra ein Menschenopfer verlangen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese vor 70 Jahren geschriebene Geschichte erinnert erschreckend an die Schlagzeilen unserer Zeit. Ein \u00fcber die Massen intelligenter Mann, egozentrisch und entschlossen, die Menschheit \u00fcber die Grenzen dieser Erde hinaus voranzubringen. Ein skrupelloser und m\u00e4chtiger Tyrann, der sein eigenes Verm\u00f6gen vergr\u00f6\u00dfern und seinen Namen in die Geschichte einschreiben will. Und ein gew\u00f6hnlicher Mann, der wie die gew\u00f6hnlichen Menschen unserer Zeit als Versuchskaninchen f\u00fcr die Experimente zweier machthungriger M\u00e4nner benutzt wird. Wenn Sie bis jetzt noch nicht an Elon Musk, Donald Trump und sich selbst gedacht haben, dann \u2013 good for you! Sie f\u00fcllen Ihre Zeit offensichtlich mit anderen Dingen als den Nachrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kam C.S. Lewis auf diese frappierende \u00c4hnlichkeit zwischen zwei globalen Akteuren, mehr als ein halbes Jahrhundert bevor sie an die Macht kamen und sich sogar f\u00fcr eine Zeit lang zusammentaten? Weil Allianzen wie die zwischen Musk und Trump nichts Neues sind. Sie repr\u00e4sentieren die Reiche dieser Welt \u2013 diesen Inbegriff des menschlichen Wunsches, jenseits von Gott zu herrschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Imperien weisen im Laufe der Geschichte und unabh\u00e4ngig von ihrer geografischen oder religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeit auff\u00e4llige \u00c4hnlichkeiten auf. Sie haben einen Herrscher, der fast wie ein Gott verehrt wird. Sie h\u00e4ufen ihre Macht und ihren Reichtum auf dem R\u00fccken von Sklaven, Einwanderern oder anderen Anbietern \u201ebilliger Arbeit\u201d an. Sie verachten Regierungsformen, die auf Zusammenarbeit, Kompromissen oder Vielfalt beruhen. Und sie glauben immer, dass ihr jeweiliges Reich ewig bestehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Musk sagte k\u00fcrzlich: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che der westlichen Zivilisation ist Empathie\u201d. Wenn Ihnen diese Aussage vage bekannt vorkommt, dann deshalb, weil sie fast identisch ist mit Nietzsches Kritik am Christentum. Nietzsche war \u00fcberzeugt, dass das Christentum die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr unsere Welt darstellt, gerade weil es Empathie, Mitgef\u00fchl und Demut f\u00f6rdert. Und es ist kein Zufall, dass genau bei den Christen, die sich am engsten mit Trump verb\u00fcnden, keine dieser Tugenden mehr sichtbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Musk und Nietzsche stehen mit ihren Aussagen in einer Reihe mit den Herrschern der Vergangenheit, deren gr\u00f6\u00dfte Angst immer darin bestand, von Menschen betrogen zu werden, denen sie vertrauten \u2013 Beratern, Ehepartnern, S\u00f6hnen, Br\u00fcdern. Ein Herrscher beh\u00e4lt seinen Kopf, indem er jedem misstraut, f\u00fcr niemanden Empathie empfindet, sich an die Spitze k\u00e4mpft und vor nichts zur\u00fcckschreckt, um dort zu bleiben. Und w\u00e4hrend sich die Wahl der Waffen oder Strategien von Jahrhundert zu Jahrhundert \u00e4ndert, bleiben die Ziele und sogar die Methoden weitgehend dieselben. Gewinne um jeden Preis. Zeige keine Schw\u00e4che (oder Mitgef\u00fchl, Empathie oder Freundlichkeit). Fordere Loyalit\u00e4t. Male die Welt in Schwarz und Wei\u00df, wir und sie, Freunde und Feinde.<\/p>\n\n\n\n<p>In gewisser Weise k\u00f6nnte man sagen, dass Nietzsche Recht hatte, als er sagte, dass das Christentum den \u201eFortschritt\u201d der Menschheit schw\u00e4cht. Vielleicht h\u00e4tten wir ohne Christus bereits Flaggen auf dem Mars gehisst, eine Einheitsw\u00e4hrung geschaffen oder sogar die sogenannten \u201eschwachen\u201c Formen der Menschheit ausgerottet. Aber die Frage ist nicht, wie schnell wir uns als Spezies weiterentwickeln, sondern in welche Richtung wir uns bewegen. Was ist das eigentliche Ziel unserer Spezies?<\/p>\n\n\n\n<p>Weston ist C. S. Lewis' fiktive Antwort auf Nietzsches Idee des \u00dcbermenschen. Sobald er sich von der religi\u00f6sen Ethik befreit hat, ist der moderne Mensch selbst die letzte Instanz daf\u00fcr, was richtig ist. Daher sind alle Mittel, die der Mensch f\u00fcr notwendig erachtet, um seine Ziele zu erreichen, nun gerechtfertigt, solange sie zum Erfolg f\u00fchren. F\u00fcr Weston in dem Roman war das Ziel das \u00dcberleben unserer Spezies (ein darwinistisches Modell, das in gewisser Weise dem \u00e4hnelt, was Musk zum Ausdruck gebracht hat). F\u00fcr Nietzsche ist das Ziel nicht das \u00dcberleben, sondern die \u00dcberwindung unserer heutigen Form des menschlichen Daseins und die Schaffung eines m\u00e4chtigeren Wesens \u2013 des \u00dcbermenschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was ist mit Ransom, unserem dritten Protagonisten im Buch? Er k\u00fcmmert sich weniger um das Schicksal der Menschheit als um das, was ihm in Hier und Jetzt begegnet. In der Begegnung mit den Bewohnern von Malacandra zeigt er Neugier, Demut und Freundlichkeit. Seine Haltung bef\u00e4higt ihn auch, Oyarsa wahrzunehmen, das spirituelle Wesen, das alles zusammenh\u00e4lt. Ransom steht f\u00fcr Lewis' \u00dcberzeugung, dass <strong>echter Fortschritt nicht nur biologischer oder technologischer Natur sein kann, sondern auch ethischer Natur sein muss.<\/strong> Wann immer unsere Ethik dem Fortschritt im Wege zu stehen scheint, sind wir aufgefordert, einen Schritt zur\u00fcckzutreten und das vor uns Stehende mit Neugier, Demut und Freundlichkeit zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kontrolle loslassen, Macht und Einfluss ablehnen und neugierig, verspielt und barmherzig leben \u2013 C.S. Lewis wusste, dass dies das Gegenmittel f\u00fcr die gr\u00f6\u00dften Gefahren dieser Welt ist. Nat\u00fcrlich hat es immer seinen Preis, die Schw\u00e4cheren nicht mit F\u00fc\u00dfen zu treten. Und vielleicht verhindert diese Art zu leben tats\u00e4chlich die Entwicklung eines \u00dcbermenschen \u2013 Gott sei Dank, w\u00fcrde ich hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bleibe lieber in der bruchst\u00fcckhaften und unvollkommenen Realit\u00e4t unserer menschlichen Erfahrung, denn dort entdecke ich, was die Sch\u00f6nheit des Menschseins ausmacht: unsere F\u00e4higkeit, Freundlichkeit statt Kontrolle, Demut statt Sieg und Liebe statt blinden Fortschritt zu w\u00e4hlen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist 70 Jahre alt und klingt, als w\u00e4re es gestern geschrieben worden? Was ist ein Science-Fiction-Roman, der zwei Power Players unserer Zeit beschreibt, als h\u00e4tte der Autor sie pers\u00f6nlich gekannt - ein gleichzeitig be\u00e4ngstigendes, faszinierendes und hoffnungsvolles Werk? Die Antwort lautet: Jenseits des Schweigenden Sterns von C.S. 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